Über zwei Stunden infizierte er uns mit seiner Freude am Fruchtgemüse und zeigt auf, dass es neben den klassischen Vitaminspendern im Gewächshaus eine Vielzahl uns unbekannter aber doch lohnenswerter Fruchtgemüsearten gibt.Unter dem Motto "Die Eroberung der Tellermitte" setzt Wolfgang Palme schon seit Jahren Pionierarbeit, um Gemüse von der vitaminreichen Beilage zum vielfältigen Mittelpunkt in der Ernährung zu etablieren. Er berichtet, dass in unseren Gärten etwa 30 Gemüsearten angebaut werden. Vor 100 Jahren waren noch an die 90 Arten auf unseren Märkten vertreten. In anderen Ländern werden aber noch heute hundert und mehr Arten angeboten. Diese Vielfalt mit ihren enormen ernährungswirtschaftlichen und geschmacklichen Potential will die Versuchsanstalt Schönbrunn mit Wolfgang Palme als Gallionsfigur voran sukzessive zurückerobern. Das Formenspiel der Tomaten war uns noch am ehesten bekannt, da sich hier in den letzten Jahren nicht zuletzt durch Anstrengungen der Arche Noah ein breites Bewusstsein gebildet hat. Auch Paprika und Chilis sind für ihre Varianz bekannt. Für viele neu war hingegen die Fülle an gurkenartigen Gewächsen, die sich für einen Anbau bei uns unter Folie und Glas eignen würden. Wolfgang Palme relativierte die Begeisterung an den Formen zwar durch Erfahrungsberichte über manche sensorische Verkostungen, aber ob Antillengurke, die robuste Russische Gurke oder die knackigen Cherry-Gurken, unsere Neugier wurde geweckt.Das Gleiche gilt für die Gruppe der Auberginen oder Melanzani. Letzteres bedeutet übrigens sinngemäß Wahnsinnsapfel, was auf den Solaningehalt in den rohen Früchten zurückzuführen ist. In allen Farben und vom Minizwerg bis zu fast Fußballgroßen Früchten wurden Sorten vorgestellt, inklusive kulinarischer Verwendungstipps. Diese werden in schöner Regelmäßigkeit von Palmes Freund und Mitstreiter, dem Koch Johann Reisinger, kreiert. Seine Gemüsegerichte begeistern bei den Schönbrunner Seminaren seit Jahren und bringen neue Aromen auf die Teller der Gemüseliebhaber. Peppinos, Tomatillos, Tzimbale, Physalis und viele weiter Nachtschattengewächse rundeten unseren Streifzug ab und das Finale setzte Wolfgang Palme mit der großen Familie der Schmetterlingsblütler. Bohnenartiges, ob „kilometerlang“, eiweißhaltig oder mit Trieb und Blatt verzehrbaren Sorten, wurde uns vorgestellt. Hier kommt es meist auf den richtigen Erntezeitpunkt an, um möglichst zarte und bekömmliche Samen und Pflanzenteile zu erhalten. Eine volle Wiedergabe aller Details würde den Bericht hier sprengen. Um Euch ein wenig Einblick in die Fülle zu geben, erlaubte uns Wolfgang Palme, beiliegende Merkblätter der Schönbrunner Seminare online zu stellen. Und wenn Ihr schließlich vom Gemüsefieber vollständig gepackt seid, könnt ihr diesen Wissensdurst auch durch die Fachbücher von Johann Reisinger und Wolfgang Palme stillen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Experimentieren mit der Gemüsevielfalt. Das OGV-Team! |