Obst- und Gartenkultur Vorarlberg

Jahresthema 2010: "ErlebnisReich Garten"

Unsere Gärten sind Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung. Ur­sprünglich als umgrenzte Produktionsfläche von Kulturpflanzen ent­stan­den, entwickelten sich grüne Freiräume zu unterschiedlichsten Nutzungs­formen und Erlebniswelten, je nach Neigung der Besitzer. Das Erlebnisreich Garten ist vielgestaltig.

Betrachten wir beispielsweise die Produktion von hochwertigen Lebensmitteln. Das ist heutzutage zwar nicht unbedingt wirtschaftlich, sind doch Lebensmittel günstig wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Doch immer wieder beschäftigen sich Gartenfreunde mit der Aufzucht von eigenem Obst und Gemüse. Aus Über­­zeugung, Spaß am Gärteln oder weil sie spezielle Sorten und Kulturen ausprobieren wollen, die im Handel nicht angeboten werden. Im eigenen Garten ist Platz dafür. Alte Sorten, Raritäten und lokale Schätze werden hier mit großer Sorgfalt herangezogen. Der Garten bietet viele Möglich­keiten, seine Experimentierfreude auszuleben. Bei der kulinarischen Ver­wertung finden sich dann bestimmt Abnehmer für köstliche Ernten.

Ins Arbeitsleben integrierte Menschen nutzen Gärten oft nur als Erholungs­räume. Ausgleichende Beschäftigung zum sitzenden Büroalltag, Werkeln im Grünen statt in der Montagehalle, ein gemütlicher Hock auf der Terras­se oder einige entspannte Stunden im Liegestuhl laden die geschundenen Akkus wieder auf und geben Kraft für neue Herausforderungen. Der Bio-Gärtner Karl Ploberger schrieb erfolgreich ein Buch über den „Garten für den intelligenten Faulen“. Er gab darin Anleitungen, wie wir unsere Zeit für Gartenarbeit minimieren können und dadurch Freiraum zum Relaxen bekommen. Der Erholungsaspekt eines Gartens ist nicht zu unterschätzen, vorausgesetzt, man überwindet den mancherorts sehr ausgeprägten Rasen­mäh-Heckenschneid-Unkrautzupf-Kult. Das Gärteln soll keine Pflichtübung sein, sondern Spaß machen. Streben nach Perfektion ist schön und gut, aber wenn die Grundstückspflege dadurch zur Qual wird, machen sie was falsch. Dann ist es höchste Zeit, ihr Gartenverhalten kritisch zu hinterfragen und vielleicht sogar einige Umgestaltungen vorzunehmen. Oft ist es nur der Neid der Nachbarin, der ihnen ein schlechtes Gewissen einreden will, wenn sie ihren Garten mehr nutzen als pflegen.

Reduzieren sie das wöchentliche Mähen auf einer kleinen Fläche rund um die Terrasse, da nur dieser Bereich intensiv genutzt wird. Der Rest könnte durch drei bis vier Mähdurchgänge im Jahr gepflegt werden. So reduzieren sich Arbeitsstunden in Summe wesentlich. Mulchen verringert die Unkraut­be­kämpfung und hält den Boden feucht. Nebenbei würden naturnahe Flächen auch einer Fülle an Tieren Lebensraum bieten, vor allem, wenn auch Hecken, Gewässer, Komposthaufen usw. als Rückzugsgebiete im Gar­ten vorhanden sind. Je ursprünglicher der Garten ist, desto mehr Bewohner werden sich einfinden und den Garten zum Erlebnisreich wer­den lassen. Denn Gärten sind Lebensräume! Natürlich für den Menschen aber auch eine Vielzahl von Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere bevölkern „ihren“ Garten, sie müssen nur einmal genau hinsehen.

Nützlinge und Schädlinge treiben sich hier in großer Zahl herum. Fressen und Gefressen werden ist die Devise, vor allem, wenn der Mensch nicht ständig eingreift. Vögel fressen Insekten, Frösche, Blindschleichen und Eidechsen Käfer und Schnecken. Katzen jagen hoffentlich Mäuse und nicht nur zur nächsten Whiskas-Schüssel.

Ein weiterer Aspekt von Erlebnisreich Garten ist die Wirkung der Gärten auf das Orts- und Landschaftsbild unserer Heimat. Denken sie sich doch all die Blumen, Sträucher, Obstbäume einmal weg. Unsere Heimat wäre so trostlos wie eine russische Bergbaustadt im tiefsten Sibirien. 

Gärten haben eine wichtige Wohlfahrtswirkung! Fragen sie doch einmal unsere Gäste aus Holland, Deutschland und woher sie sonst noch kommen. Neben den Bergen und den Sportmöglichkeiten wird in fast allen  Gesprächen die Schönheit unserer Heimat gepriesen. Gärten, Blumen, geschmückte Ortschaften, Streuobstwiesen und die von unseren Bauern  geprägte Kulturlandschaft tragen wesentlich zur Attraktivität des Touris­muslandes Vorarlberg bei. Wir selbst sind aber oft zu „betriebsblind“ um diese Reize noch wahrzunehmen. Aber wehe, wenn sie einmal verloren gehen sollten!

Der Garten bietet also viele Betrachtungsmöglichkeiten. Sie als naturver­bundene Menschen in den Obst- und Gartenbauvereinen dieses Landes sollten ihre Freude am Gärteln aber unbedingt weiter­geben. Begeistern sie ihre Enkel, Kinder und Freunde, verblüffen sie mit intensivem Geschmack der eigenen Produkte oder erfreuen sie ihre Freundin mit einem Strauß aus dem eigenen Blumenbeet. Diese Lebensfreude weiterzugeben, die Kinder in den Gartenalltag einzubinden, das ist eine wichtige Aufgabe, um noch mehr Menschen für das Erlebnisreich Garten begeistern zu können! Und sie werden sehen, es macht sogar Spaß!

Ich wünsche ihnen viel Freude dabei.

Ihr Harald Rammel

Artikel teilen

Teilen auf Facebook
Teilen auf Google+
Teilen auf Twitter
Teilen via E-Mail
Erlebnisreich Garten
Bildergalerie öffnen

Obst- und Gartenkultur Vorarlberg

Unsere über 15.000 ehrenamtlichen Mitglieder sind in 66 Ortsvereinen dem Verband für Obst- und Gartenkultur angeschlossen.

6842 Koblach, Wegelersfeld 10a
E-Mail an den OGV
Bankverbindung: Sparkasse Feldkirch
IBAN: AT15 20604 0310 1173 080
BIC: SPFKAT2BXXX

Sponsoren des Landesverbandes

Klien Maschinenhandel
SPAR-
VKW Oekostrom
Sparkasse
Branner Kompostwerk
Peter Dach
Vorarlberger Gärtner und Floristen
Rosen Waibel
Bucherverlag
Böhler